EWIGHEIM: Interview mit Songwriter Yantit über das neue Album

Yantit, mit Ewigheim veröffentlicht Ihr am 18.01. 2019 bereits euer 7. Studioalbum „Irrlichter“. Wie seid Ihr auf den Albumtitel gekommen?

Der Albumtitel kam (wie bei fast allen unseren Alben), während ich die Texte geschrieben habe von selbst. Wenn die ersten Texte „stehen“, stolpere ich irgendwann über einen „unsichtbaren“ roten Faden, der wird dann weiterverfolgt und drängt die restlichen Texte in eine bestimmte Richtung – früher oder später ergibt sich daraus der Albumtitel. Die einzigen Ausnahmen waren unsere ersten beiden Alben, da standen die Titel bereits vorher fest.

Eure Texte und auch die Musik haben schon immer melancholisch geklungen. „Irrlichter“ kling jedoch auch an manchen Stellen fröhlich. Welche Stimmungen überwiegen bei euch in der Band?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Das Motto bei Ewigheim war ja immer „Blut, Kot, BLUMEN & SONNENSCHEIN“, sprich diese heiteren/versöhnlichen Momente waren schon immer ein Teil der Band. Aber es kommt immer auf den Kontext an, manchmal wirken diese Momente verstörend, manchmal zynisch oder eben auch sehr herzlich … also alles ganz wie im „richtigen Leben“ 😉

Yantit, du als Schlagzeuger bei deiner Band Eisregen bist u.a. auch Hauptsongwriter bei Ewigheim. Wann sind für dich die besten Momente zum Songwriting?

Bei Ewigheim ist Allen fürs Schlagzeug zuständig, ich selbst für die Rhythmus Gitarren und alle Programmierungen. Die Musik entsteht auch immer in einem Wechsel von Gitarre spielen und programmieren … ja, mehr ist es eigentlich auch nicht und genau das macht mir Freude °lach°

Macht es eigentlich beim Songwriting einen Unterschied, ob man als Drummer an die Sache rangeht oder z.B. als Sänger?

Ich denke ja, weil man bestimmte Zusammenhänge bereits auf dem Schirm hat, wenn man mit einem neuen Stück beginnt. Ich weiß auch genau was Allen am Schlagzeug liegt und was nicht, sprich: bereits die ersten Demos können Schlagzeug technisch schon sehr nahe an dem sein, was am Ende auf einem Album landet.

Eure Texte sind sehr lyrisch gehalten und in deutscher Sprache. Woher holst du deine Inspirationen beim Texten und was schätzt du so an der deutschen Sprache?

Es ist die einzige Sprache, die ich beherrsche und vor allem ist es meine Sprache! Ich mag es, dass man sich bei deutschen Texten nicht hinter irgendwelchen hohle Phrasen verstecken kann und man kennt ja beide Extreme. Ein englischer Text klingt irgendwie immer gut, auch wenn er nicht viel mehr als ein paar „la, la, la‘s“ enthält. Überträgt man diese Art von Texten dann ins deutsche wird es richtig bitter und vor allem peinlich … schlimme Beispiele gibt es dafür ja zuhauf °lach°. Aber auch egal, für mich ist ein guter (deutscher) Text einer, der auch ohne Musik, also wie ein Gedicht funktioniert. Vor allem aber, muss man ihn lesen können, ohne dabei rot zu werden oder zu kotzen 😉

Wäre es auch eine Option, Texte in englisch zu verfasse

Siehe oben … also nein. °lach°

Vergleicht man das Album mit euren bisherigen Werken, fällt der harmonische, klare Sound auf. Habt Ihr euch produktionstechnische Hilfe geholt oder alles Eigenverantwortlich produziert?

Nein, weder noch. Ich finde den Sound der letzten beiden Alben jetzt auch nicht soooo viel anders als den von „Irrlichter“? Bei Ewigheim war ja schon immer Markus (Klangschmiede StudioE) für den Sound (inkl. Mix und Master) zuständig. Wenn sich etwas geändert hat, ist es die Vorproduktion, bei der ich die Gitarren und Programmierungen zu Hause komplett fertig mache und dafür kann ich mir natürlich alle Zeit der Welt lassen. Darüber hinaus haben wir uns über die Jahre natürlich auch immer besser kennengelernt und wissen genau, wie alles zu klingen hat.

Das Albumcover von Irrlichter wird von einem Gemälde des Japanischen Malers Sakai Hoitsu aus dem 18. Jahrhundert. Wie seid Ihr ausgerechnet auf diesen Maler gekommen?

Ich interessiere mich schon lange für Malerei und kenne auch den Maler schon länger. Keine Ahnung, aber irgendwie bringt das Bild (optisch) genau die Stimmung auf den Punkt, die ich musikalisch und textlich für „Irrlichter“ im Kopf hatte.

Erzähl doch mal, welche Titel auf dem Album dir besonders nahestehen?

Diese Frage sollte man verbieten, man fragt ja Eltern auch nicht welches ihrer Kinder sie besonders gern mögen. °lach° Na ja, textlich wären es bei mir „Spinnenkind“ und „Verzeih mir“, da die Texte noch etwas persönlicher sind als die anderen.

Du bist außer bei Ewigheim noch bei Eisregen involviert. Wie bringst du die verschiedenen Musikstile unter einen Hut und was für Musik bevorzugst du außerhalb der beiden Bands?

Ewigheim und Eisregen waren schon immer zwei ganz unterschiedliche paar Schuhe und stilistisch gab es da nie Überschneidungen. Wir müssen lediglich einen sehr strikten Zeitplan einhalten und die anderen (bei Ewigheim) spielen ja auch noch in verschiedenen Bands.
Persönlich war ich, was Musik betrifft schon immer sehr offen und höre von elektronischer Musik (Laibach, Die Antwoord) über Johnny Cash, Bethlehem bis Death Metal (Autopsy) fast alles. Vorzugsweise allerdings (norwegischen und schwedischen) Black Metal und wirklich gar nicht geht eigentlich nur R`n B und Klassik.

Das Album wird auf dem neuen Label Golden Church veröffentlicht. Wie schwer ist es eigentlich für eine Band wie Ihr es seid, ein geeignetes Label zu finden, um auch in der Musikwelt Gehör zu finden, gerade wenn man eher melancholische Musik macht?

Es ist ein Versuch und ein sehr spannender noch dazu. Wir hätten „Irrlichter“ aber auch wieder über Massacre Records veröffentlichen können. Es geht in erster Linie auch darum, sich selbst zu verwirklichen und da ist Sache mit Golden Church ein großer Schritt, zumal Tobias (also mein neuer Chef) ja auch selbst ein Teil von Ewigheim ist … sprich, persönlicher geht es nicht 🙂

Ihr seid für die Promotion des neuen Albums mit Lacrimas Profundere auf Tour. Kennt Ihr euch untereinander?

Markus und Tobias haben bereits Konzerte mit Lacrimas gespielt. Ich kenne sie noch nicht persönlich, verfolge ihr musikalisches Schaffen aber auch schon seit 20 Jahren und mag sie sehr, also eigentlich die besten Vorzeichen.

In einem Interview mit dir konnte ich nachlesen, dass du noch als Tätowierer arbeitest. Ist das immer noch so? Was ist da deine große Leidenschaft? Eigene Tattoos zu entwerfen oder Vorlagen auf die Haut zu bringen?

Ja und ich hoffe, das wird auch noch lange so bleiben °lach°. Grundsätzlich bin ich ein ziemlicher Misanthrop und ich habe früh gemerkt, dass mir das Tätowieren dabei hilft, nicht endgültig der Anschluss an die „Gesellschaft“ zu verlieren. Ich glaube sogar, dass es mich über die Zeit irgendwie offener gemacht hat und es fällt mir heute nicht mehr so schwer, mich auf neue Leute einzulassen. Der handwerkliche Teil ist einfach ein Beruf, aber um auf deine Frage zurück zu kommen, der eine Arbeitsschritt funktioniert nicht ohne den anderen 😉

Was sind deine guten Vorsätze für 2019?

Nein, die hatte ich noch nie °lach°. So wie es ist, ist es in Ordnung und die Sachen die mich richtig ärgern lassen sich (auf legalem Wege) eh nicht ändern. Ich wünsche mir eigentlich nur, dass alle die ich mag gesund bleiben. Ich selbst will einfach nur in Ruhe rauchen und Kaffee trinken … und dabei Musik machen 🙂

Aktuell sind Ewigheim mit Lacrimas Profundere auf Tour:

10.01.2019 Hamburg, Logo
11.01.2019 Köln, Helios 37
12.01.2019 Hannover, Musikzentrum
18.01.2019 Berlin, Cassiopeia
19.01.2019 Erfurt, From Hell
07.02.2019 Wien, Viper Room
08.02.2019 München, Backstage
09.02.2019 Stuttgart, DasCann
14.02.2019 Nürnberg, Der Cult
15.02.2019 Frankfurt/M., Nachtleben

Wie wir das neue Album „Irrlichter“ finden könnt Ihr hier nachlesen.

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