AETERNITAS – Auf den Spuren von Edgar Allan Poe

AETERNITAS servieren symphonische Leckerbissen – metallisch, eingängig und mitreißend. Die Musik der siebenköpfigen Formation aus Lübecker ist geprägt von satten groovenden Gitarrenriffs und orchestralen Arrangements, begleitet von dem Wechselspiel des weiblichen und männlichen energiegeladenen Gesangs. 

Interviewpartner: Alex Hunzinger (Songwriter, Produzent, Gitarrist)

Für die Leser die euch noch nicht kennen: Erzähl doch mal, wer sich alles hinter der Band verbirgt und wie sich die Band gefunden hat?

Gegründet wurde AETERNITAS 1999 von meiner heutigen Frau Anja und mir selbst. Wir spielten zu der Zeit zusammen in einer anderen Band und wollten ein paar eigene Ideen umsetzen – zunächst als reines Studioprojekt. Dabei ist dann unser Debutalbum “requiem” herausgekommen, das wir mit weiteren Studiomusikern aufgenommen haben. Nach dem überraschenden Erfolg bei der Veröffentlichung im Jahr 2000 hat unser damaliges Label uns überredet eine Band zu formen, um die Stücke auch live zu präsentieren. So haben wir also angefangen, weitere Musiker hinzuzuholen. Im Laufe der Zeit kam es dann immer mal wieder zu Besetzungswechseln, was sich bei der langen Zeitspanne nicht vermeiden lässt. In unserer aktuellen Besetzung sind die längsten Mitglieder außer Anja und mir über 14 Jahre dabei und die neusten seit einem Jahr.

Wie seid Ihr auf den Namen der Band gekommen?

Der Name steht in direkter Verbindung zu unserem Erstlingswerk “requiem”. Wir hatten die Idee ein Requiem zu vertonen mit den original mittelalterlichen lateinischen Liturgietexten. Über den Bandnamen haben wir erst zu einem späteren Zeitpunkt nachgedacht, während der Arbeit an den Songs. Dabei haben wir nach einer Verbindung zu dem Requiem gesucht und da das Adjektiv “aeternus” – ewig – eine bedeutende Rolle spielt, haben wir uns für AETERNITAS – also Ewigkeit entschieden.

Vergleicht man euer erstes Album, mit dem am kommenden Freitag erscheinenden Album fällt auf, dass Ihr eine bemerkenswerte musikalische Wandlung durchgemacht habt. Was hat euch inspiriert, sich dem Symphonic Metal hinzugeben?

Zwischen unserem Debut Album “requiem” und unserem aktuellen Album liegen 18 Jahre. Das ist eine Menge Zeit für Veränderungen und unser Weg war ja auch nicht gradlinig, sondern hat uns in unterschiedliche Richtungen geführt, insbesondere auf unserem drittem Album, dem Gothic Rock Musial “Rappacinis Tochter”. Danach wurde uns aber irgendwann klar, dass wir diesen Weg nicht weiter verfolgen können und wir daher eine neue oder auch alte Richtung einschlagen müssen. Denn um auf die ursprüngliche Frage zurück zu kommen: Wir hatten in unserem ersten Album auch schon viele Symphonic Elemente, wie Chöre und Orchesterpassagen. 2011 haben wir uns schließlich mit den Arbeiten zum Vorgängeralbum “House Of Usher” für eine Richtung entschieden, die uns am besten liegt und die wir nun konsequent weiter verfolgen.

Euer 5. Studioalbum „Tales of the Grotesque“ basiert auf Geschichten von Edgar Allan Poe.Was es hat es genau damit auf sich?

Nachdem sich unser Vorgängeralbum inhaltlich mit der Vertonung einer einzelnen Kurzgeschichte von Poe befasst hat, wollte ich diesmal etwas freier vorgehen, das spannende Themengebiet aber noch nicht verlassen. Deshalb habe ich aus dem großen Reigen von Poe Werken die interessantesten heraus gepickt und damit unser Album gefüllt.

Was für Literatur begeistert dich außer die von E.A. Poe auf dem Album aktuell?

Das wären zum einen verschiedene Gerne Literatur der Gothic Novels oder auch deren deutsche Vertreter wie E.T.A. Hoffmann. Außerdem moderne Science Fiction oder Fantasy Werke von Anne Rice, Frank Herbert oder George R.R. Martin.

Hast du eine Buchempfehlung für den Sommer?

Ich würde ja gerne sagen “Das Lied von Eis und Feuer” von George R.R. Martin, aber diese Epos ist für einen Sommer wohl deutlich zu umfangreich.

Zurück zur Band: Eure Band besteht aus 7 Mitgliedern. Waren alle am Songwriting beteiligt?

Nein, beim aktuellen Album habe ausschließlich ich selbst das Songwriting übernommen. In der Vergangenheit war oftmals noch Anja beteiligt und auch künftig kann es wieder zu weiteren Beteiligten kommen.

Habt Ihr das Album am Stück aufgenommen oder Häppchenweise? Zu siebt sicher kein leichtes unterfangen?

Wir haben es am Stück aufgenommen, wobei ich die Produktion in meinem eigenen Studio etwas flexibler handhaben konnte, als das in einem externen Studio möglich wäre. Das heißt, dass wir durchaus Pausenzeiten hatten oder auch Zeit für Überarbeitungen.

Der Gesang besteht hauptsächlich aus den Duetten der weiblichen und männlichen Vocals. Wie lange musstet Ihr Proben, bis so ein Duett sitzt?

Das ging vergleichsweise schnell, weil wir dasselbe Konzept auch schon beim Vorgängeralbum verfolgt haben. Zudem liefere ich ausreichend Probenmaterial für die Sänger und die Vorbereitungsdisziplin ist bei uns auch hoch. Da gibt es bei den Proben nur noch Details zu besprechen und zu proben.

Gib bitte mal jeweils ein Statement zu den folgen Songs ab:

„The Raven“

Der absolute Poe Klassiker: Die berühmte Ballade “Der Rabe”. Mir war klar, die darf auf keinem Fall auf unserem Album fehlen. Und das Thema eines Vogels, der vermeintlich mit dem Toten in Kontakt steht oder böse Vorahnungen verbreitet, ist absolut zeitlos.

„The Experiment“

Im Original eine sehr drastische Horror-ähnliche Story, basierend auf “The Facts in the Case of M. Valdemar”. Die konkrete Handlung habe ich zugunsten des allgemeinen Themas – wie weit kann und darf Wissenschaft in menschlichen Forschungen gehen – etwas zurück genommen.

„The Portrait“

Sicherlich nicht die bekannteste Kurzgeschichte von Edgar Allen Poe (“The Oval Portrait”), aber schaurig-schön. Ein fanatisch besessener Maler erschafft ein Portrait seiner Frau. Doch je vollendeter das Bild wird, umso mehr zerfällt seine Frau… das Ende kann sich jeder ausmalen, um ein Wortspiel zu bemühen.

„Annabel Lee“

Basierend auf dem gleichnamigen Gedicht. Eine traurig schöne Liebesballade über die verstobene Geliebte, die aus Neid von den Engeln umgebracht wurde (übrigens eines der Lieblingsmotive von Poe). Deshalb auch besonders geeignet für die Verwendung als Ballade, wie in unserem Fall.

Hast du auf dem Album einen Lieblingstext von Edgar Allan Poe?

Lieblingssongs oder -texte sind immer schwer zu benennen. Aber die beiden Songtexte von “Dream In A Dream” und “Eldorado”, die beide auf Gedichten von E.A. Poe basieren, würde ich da herausheben wollen.

Bei “Dream In A Dream” kann man erkennen, dass sich Poe – wie auch andere Autoren bis hin zur Antike – immer wieder mit der Frage beschäftigten, ob unsere Welt real oder nur ein Traum ist. Oder – ganz modern ausgedrückt – ein Teil einer Matrix. Das ist eine sehr spannende und philosophische Frage die wohl auch noch künftige Generationen beschäftigen wird.

“Eldorado” dagegen beschreibt die Suche nach einem unerreichbaren und letztlich auch fiktiven Ort, was im übertragenden Sinne viele Menschen immer wieder in die Irre führt: Das Streben nach unrealistischen und auch bedeutungslosen Zielen, das sie davon abhält, ihr eigentliches Leben zu leben oder das wahre Glück zu erfahren.

Zu den beiden erstgenannten Tracks habt Ihr auch Videos gedreht. Es gibt auf eurer Webseite sehr viele Fotos von dem Dreh. Wie waren die Dreharbeiten?

Wie immer ist so ein Drehtag lang und anstrengend. Aber dank der guten Planungen und Vorbereitungen und der vielen Helfer verlief alle reibungslos. Da es bereits die zweite Zusammenarbeit mit dem Videoproduzenten Sven Voss ist, waren wir in der gemeinsamen Arbeit auch schon gut eingespielt. Und so macht es dann auch Spaß, am Set schon zu wissen, dass ein gutes Video dabei heraus kommen wird.

Gibt es Musikvideos von anderen Bands, die dich faszinieren und weiterempfehlen kannst?

Konkret kann ich da keine benennen. Aber schön finde ich immer, wenn kleinere Bands mit wenig Budget, dafür aber sehr vielen kreativen Ideen zu punkten wissen.

Wie geht es in den nächsten Monaten mit der Band weiter?

Die Vorbereitungen für ein aktuelles Live Set mit unseren neuen Songs sind abgeschlossen. Nun warten wir auf Rückmeldungen von unserer Agentur für Auftritte im Herbst und im kommenden Jahr.

Apropos Tour: Worauf habt Ihr mehr Bock, kleine Clubkonzerte oder eher Festivals?

Das hängt wohl immer vom Zeitpunkt der Frage ab. Da wir in letzter Zeit mehr Clubkonzerte hatten, freuen wir uns momentan eher auf Festivals.

Danke für das Interview und alles Gute für euer neues Album!

Videos zum Album:

Mehr Videos und Infos über die Band gibt es auf der Website der Band unter www.aeternitas-online.de

CD Review von „Tales of the Grotesque”

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