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 | Boytronic - Mit 80er Charme neue Wege bestreiten |
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Wenn man den Namen Boytronic hört, muss man unweigerlich an eure erste Single „You“ von 1983 denken. Was unterscheidet euren Sound von damals mit dem vom aktuellen neuen Album?
Holger: Dazwischen liegen dreiundzwanzig Jahre. Da ändert sich der Sound wohl unweigerlich. Es wäre ja auch zu langweilig wenn nicht. Das würde mich müde, matt und marode machen, ewig das gleiche zu recyceln. Ich bin mir zwar bewusst, dass das einige erwarten, aber ich verstehe mich nicht als Dienstleister im Musikgewerbe. Das macht mir keinen Spaß.
Ist es richtig euren Musikstil als Synthpop zu bezeichnen, oder würdet ihr selber eine andere Bezeichnung vorziehen?
Holger: Synthpop im allerweitesten Sinne. Eigentlich ist es Homopop.
Welche musikalischen Einflüsse haben euch bei der Entstehung von „Dependence“ inspiriert?
Holger: Das weiß ich nicht. Im Laufe des Lebens ist man vielen Einflüssen ausgesetzt. Ich denke irgendwann verquirlen sie sich zu einem Brei und heraus kommt was man jetzt hört. Das passiert ganz unbewusst.
Das neue Album ist zusammen mit dem Künstler Hans Johm entstanden. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Holger: Ich hatte Hans vor ein paar Jahren kennen gelernt als er mich für ein Magazin interviewte. Er machte selbst Musik und schickte mir was zum reinhören. Ich fand die Sachen sehr gut. Hier war jemand mit einem Plan. Die Musik war sehr mysteriös und ließ mir viel Raum um mich einzubringen. Wir trafen uns dann ein paar Mal und arbeiteten an ein paar Stücken. Das war dann die Geburt von "Beachhead". Im weiteren Verlauf klangen die Stücke allerdings dann doch sehr nach Boytronic. Damals stellte sich schon raus das Hayo keine Zeit mehr hatte und sich ganz seinem Label widmen wollte. Da lag es nahe das ich Hans fragte ob er Lust hat. Wir holten dann noch Ziffels, weil wir mit einigen Sachen an unsere musikalisch technischen Grenzen stießen. Er ist ausgebildeter Musiker und schreibt eigene Opern und anderes merkwürdiges Zeug.
Ziffels: Halt — denkwürdig, nicht merkwürdig!
So ganz ohne Blessuren ging die Zusammenarbeit dann aber doch nicht ab. Wir haben alle sehr ausgeprägte Egos und sind schnell beleidigt. Und ich musste immer vermitteln. Wie das so ist...Aber es geht sehr gut und ist spannend. Ich möchte gerne gute Pop Songs machen. Hans sieht sich als Mensch mit Sendungsbewusstsein, und Ziffels hat diesen Symphonikertick und spielt Stromflöte. Er erinnert mich doch sehr an Schröder von den Peanuts.. Niemand ist überflüssig und alle haben ihren Anteil. Jeder Song würde anders klingen, wenn einer nicht dabei gewesen wäre.
Das 2002er Album „Autotunes“ hattet Ihr mit der Produzentenlegende Gareth Jones (Depeche Mode, Erasure) soundtechnisch aufpoliert. Welche Unterstützung hattet Ihr jetzt bei „Dependence“?
Holger: Keine. Wir haben alles selbst gemacht. Bei "Autotunes "war Gareth auch nur bei zwei Songs dabei. Das hätte man sich auch sparen können. Der richtige Bringer war das auch nicht. Seitdem hab ich was gegen Namedropping.
Wenn man nun schon wie Ihr sehr lange im Geschäft ist, was ist für euch der spannendste Moment bei dem Entwicklungsprozess eines neuen Albums?
Holger: Das Mischen. Ganz klar. Wenn langsam alles Gestalt annimmt und richtig toll klingt. Das mach ich am liebsten.
Der Titel lautet des neuen Albums lautet „Dependence“. Wie seid Ihr auf diesen Titel gekommen?
Holger: Auf dem Cover sieht man vier ineinander greifende Hände. Eine alte Grafik aus einem Buch über die Arbeiterbewegung. Wir haben es genommen um den Titel (Dependence - Abhängigkeit) plakativ darzustellen. Aber es soll nicht negativ gemeint sein. Mehr im Sinne von sich auf den anderen verlassen können oder halt finden.
Hans Johm: Das Miteinander von sich gegenseitig ergänzenden und bereichernden Individuen bringt Abhängigkeiten mit sich. Der Arbeitsprozess an „Dependence“ war sicherlich für uns alle drei – auch in dieser Hinsicht – eine wichtige Erfahrung. Somit beschreibt der Titel einen unmittelbaren Aspekt der Arbeit am Album, weniger verweist er auf ein thematisches Gerüst oder Liedinhalte.
Ihr habt auf dem Album englische, als auch deutsche Texte gepackt. Wie entscheidet Ihr, ob ein Song auf deutsch oder auf englisch auf ein Album kommt?
Holger: Ich würde jetzt kein Dogma draus machen. Wie es kommt ist es gut. Ich mag beides. Man kann mit beiden Sprachen gut jonglieren.Wenn es wirklich was zu sagen gibt, würde ich Deutsch bevorzugen. Die deutsche Sprache kommt auch auf dem neuen Album hinreichend zu Wort. Mehr als auf allen anderen.
Welche Qualitäten muss bei euch ein Song besitzen, um es überhaupt auf ein Album zu schaffen?
Holger: Wir müssen ihn gut finden. Das ist das einzige Kriterium.
Was sind Eure persönlichen Favoriten auf der neuen Scheibe und weshalb?
Wir sind uns immer bewusst gewesen, dass wir mit dem neuen Album nicht nur Lobeshymnen ernten werden. Leute von der Betonfraktion werden damit ihre Schwierigkeiten haben.Boytronic Musik ist schwierig. Nicht in dem Sinne, dass sie besonders künstlich oder intellektuell wäre. Eher im Gegenteil haben manche Leute eher Schwierigkeiten mit der Einfachheit und Direktheit und denken, das wäre alles sehr profan oder kitschig. Dabei möchten wir einen einfachen Zugang schaffen. Wahrheiten und Emotionen sind immer sehr einfach und direkt. Unsere Musik soll nicht so sehr den Verstand, sondern mehr die Seele erreichen. Es geht hier nicht um besonders abgefahrene Sounds .Sondern um die emotionale Gemeinschaft mit dem Hörer. Um die zu erreichen schrecken wir auch vor schlagerhaften Einflüssen nicht zurück. Das ist unser Sound .Das macht uns auch und gibt uns überhaupt die Berechtigung Musik zu machen und zu veröffentlichen. Bei Songs wie "Für immer" und "Middle of the Night" wird das ganz deutlich. Das sind auch meine beiden persönlichen Favoriten.
Wie wichtig sind für euch bei der Veröffentlichung eines Albums / eines Songs die evtl. Chartplatzierungen wie z.B. die DAC?
Holger. Ich erwarte keinen Megaseller. Musik dieser Art hat es schwer dieser Tage. Ich kann mich gar nicht erinnern wann in den letzten Jahren ein Synth Pop Song (und damit werden wir ja synonym gesetzt) es in die Top Ten geschafft hätte. Ausgenommen mal "DM". Da bleiben wir mal auf dem Teppich. Wir haben ausreichend Leute auf der ganzen Welt die unsere Musik lieben. Es wäre natürlich schön wenn noch einige hinzukommen. Aber das ist ja auch stetig der Fall.
Wollt ihr Euer Album auch live vorstellen & in welchem Rahmen soll das von statten gehen?
Holger: Live wird es uns geben wenn es die Zeit zulässt. Wir arbeiten und müssen Geld verdienen. Der Hund braucht sein Futter. Wir würden gerne mehr live unterwegs sein. Aber im Moment geht das nur am Wochenende und im Urlaub. Und da will man sich ja eher erholen.
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Webseite der Band: www.boytronic.de
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X-Perience - Alles zum neuen Album "Lost in Paradi The Retrosic - IV zum neuen Album "Nightcrawler"
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