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Letzte Instanz - Holly D. führt uns "Ins Licht"



Seit 8 Jahren gibt es die Letzte Instanz, ein Weg voll von musikalischen Entwicklungen. Ihrem Ziel sind die Jungs dabei immer treu geblieben. Lyrische deutsche Texte treffen auf klassische Streicher Arrangements und Rockmusik am Puls der Zeit, ein Pool für nahezu unbegrenzte musikalische Möglichkeiten. Tabus gab es dabei kaum, die Letzte Instanz verstand sich von Anfang an als Chamäleon. Kontinuität kommt dabei aus dem Wandel und dies trotz oder vielleicht auch gerade wegen der häufigen Wechsel in der Besetzung.

Mit Holly D. (acc. guitar, voc, programmings) unterhielten wir uns über die musikalische Entwicklung der Band und natürlich über das neue Album "Ins Licht" (VÖ 02.02.06):

Letzte Instanz sind 2006 nicht mehr mit der Band von früher zu vergleichen. Das Lineup hatte sich mehrfach geändert und Ihr standet kurz vor dem musikalischen aus. Wie kam es nach dem letzten Album quasi zum Neubeginn?

holly d.: Ich finde schon, das man die Band noch vergleichen kann, schließlich haben wir regelmäßig Umbesetzungen innerhalb der Band gehabt. Allerdings haben wir uns fest vorgenommen, dass damit jetzt endlich Schluss ist. Ich glaube, die Karten stehen ganz gut, dass wir nun endlich mal mehrere Platten mit der selben Besetzung machen. Wir haben im Moment ein sehr gutes Gefühl und kommen alle bestens miteinander aus. Ich würde sogar sagen, wir sind gerade jetzt 100 Prozent Letzte Instanz. Wir haben mit „Ins Licht“ auf unseren Weg zurück gefunden und manchmal müssen Dinge erst zu Grunde gehen, um neu entstehen zu können. Nach dem Ausstieg von Robin waren wir uns lange nicht sicher, ob wir die Band überhaupt weiterführen. Es sollte auf keinen Fall ein Abklatsch der alten Band werden. Mit Holly fanden wir einen Sänger der uns sowohl stimmlich, als auch mit seinen Qualitäten als Texter überzeugt hat. Ich denke, das neue Album zeigt, wie stark die „neue“ Instanz ist.

Euer neues Album heißt „Ins Licht“. Was verbirgt sich hinter dem Titel?

holly d.: Zum einen steht der Titel über allen Songs. Die Texte von Holly haben, egal wie düster sie sind, immer einen Hoffnungsschimmer. Auch musikalisch ist die Platte für mich sehr positiv und für die Situation der Band steht „Ins Licht“ sowieso. Die Band ist an „Götter auf Abruf“ gescheitert. Dann kam eine Phase des Krafttankens, der Neuorientierung. Man muss seine Mitte finden, um nach außen strahlen zu können. Das gilt für jeden einzelnen, wie auch für eine Band. Das Leben wäre auch ohne Instanz weiter gegangen, aber mit ist es irgendwie schöner.

Wer zeichnet sich bei euch für die Texte verantwortlich?

holly d.: Der Holly eben. Wie gesagt, wir sind sehr froh in ihm nicht nur einen Sänger und Frontmann, sondern eben auch einen großartigen Texter gefunden zu haben. Gute Texte sind immer ein Stück autobiographisch. Ich will hier nicht ins Detail gehen, aber Holly weiß schon, wovon er schreibt und singt.

Ihr habt wie Anfangs erwähnt, mit Letzte Instanz in der Vergangenheit Höhen und Tiefen durchlebt. Nun seid Ihr mit neuer Bandbesetzung und neuem Album am Start. Wie hat sich das auf euer Songwriting ausgewirkt?

holly d.: Musikalisch haben sich diesmal vor allem Herr Stolz und Oli ausgetobt. 80 Prozent der Songs entstammen ihrer Feder. Da wir ja über die halbe Republik verteilt wohnen, haben wir viel am Rechner gearbeitet. Wir haben alle Cubase von Steinberg und tauschen die Tracks übers Internet aus. Zu den Proben haben wir uns dann in Hof getroffen. Da waren die Grundgerüste der Songs zumeist schon klar.
Den Neuanfang haben wir vor allem als Chance gesehen, alte Muster über Bord zu werfen und wieder mehr Spaß am Musikmachen und Spielen zu haben. Holly unser neuer Sänger benutzt seine Stimme wieder mehr als Instrument. Robin neigte vor allem bei „Götter auf Abruf“ zu Rezitationen. Das hatte seinen Reiz, macht aber ein Bandkonstrukt von so vielen Leute überflüssig. Wir setzen jetzt wieder viel mehr auf Melodien, Harmonien und Stimmungen. Der neue Mann am Bass, Micha ist einfach ein Pfeiler der Rhythmusgruppe. Er hat unsere Visionen sofort verstanden, obwohl er eher aus dem Jazz und Soul-Bereich kommt. Es ist phantastisch mit Leuten Musik zu machen, deren Horizont wirklich weit ist. Das bringt einen weiter.

Wie seht Ihr die Weiterentwicklung von dem letzten Album und „Ins Licht“? Habt Ihr während des Songwritings Gedanken um eure Weiterentwicklung gemacht?

holly d.: Wir hatten beim Machen der Platte eine unheimliche Sehnsucht nach Harmonie. Ich finde auf „Ins Licht“ gibt es eine unheimlich intensive Verzahnung von Musik, Klang, Arrangement, Text und Stimme. Wir wollten einfach mal irgendwo ankommen und zu Hause sein. Seit Jahren haben wir mit verschiedensten Einflüssen experimentiert. Vielleicht hatten wir einfach das Bedürfnis nach einem eigenen Stil. Ein Album, das von A bis Z Letzte Instanz ist. Für mich ist das eine ganz entscheidende Weiterentwicklung.

Wenn der Name eurer Band genannt wird, assoziiert man euch auch mit deutschen Texten. Was ist für euch der Grund eure Gedanken in Deutsch auszudrücken?

holly d.: Deutsch ist unsere Sprache, in der können wir uns am dichteste und am ehrlichsten ausdrücken. Außerdem wollen wir zeigen, dass Deutsch nicht automatisch hart und überheblich klingen muss. Es ist in der Tat nicht leicht, vor allem Ängste und Emotionen in unserer Muttersprache so rüber zu bringen, dass sie nicht platt oder peinlich klingen. Das ist eine große Herausforderung. Letzte Instanz hat viel mit Authentizität zu tun. Unsere Hörer sollen wissen, was wir meinen. Wir haben immer versucht ehrlich zu sein, vielleicht auch deshalb die vielen Brüche in unserer Vita.

„Ins Licht“ ist meiner Meinung nach ein sehr ausgewogenes Album geworden, das eine schöne Balance aus Gefühl und Härte beinhaltet. Wie seid Ihr an die Trackauswahl rangegangen? Gab es auch Tracks die es nicht auf die Scheibe geschafft haben?

holly d.: Wir haben wirklich versucht ein sehr rundes Album zu machen. Nach dem unsere bisherigen Werke immer auch irgendwie ein kleiner Ritt durch den Gemüsegarten waren. Genau das wollten wir diesmal nicht. Wenn Vielfalt zur Beliebigkeit wird, dann wird Musik banal. Wir wollten einfach mal irgendwo ankommen, für eine gewisse Zeit.
Aber zurück zu Deiner Frage: Ja, „Der Schein“ und „Hurra“ haben wir vom Album genommen. „Hurra“, eine sehr harte und von Text her politische Nummer ist auf der „Sonne“-Single drauf. „Der Schein“ bislang noch nicht veröffentlicht. Beide Stücke hätten uns vielleicht den Rahmen des Albums gesprengt, das wollten wir verhindern.
Ein wichtiger Punkt waren für mich diesmal die Streicher, die sollten wieder deutlich mehr in den Vordergrund. Überhaupt war es uns wichtig, wieder Musik zu machen, die wir so als Band auf der Bühne gut spielen und darstellen können. Oli, der ja unter anderem auch Komposition studiert hat, hat diesmal alle Songs akribisch durch genommen und auskomponiert. Da hat jeder seine „logische“ Linie. Deshalb funktionierte im Studio dann auch alle bestens.

Nenn mir doch mal bitte ein paar kurze Statements zu den folgenden Titeln:


- Unerreicht:

holly d.: Unerreicht eben. Ist einer meiner Lieblingssongs auf dem Album. Schöne Balance zwischen Härte, Groove und Romantik. Wundervoller Text, ich bekomme bei den Song ehrlich Gänsehaut.

- Krieg der Herzen

holly d.: Wer kennt das nicht, wenn eine Beziehung kippt, aus dem Traumpaar ein Alptraum wird und das Leben zu Zweit zur Hölle. Doch man sollte sich immer die Frage stellen, ob es sich nicht doch lohnt zu kämpfen.

- Das Stimmlein

holly d.:
Jedes Antlitz auf der Welt verdient, dass es als einzig zählt.“ Dieser Song handelt von gegenseitigem Respekt und Gruppendynamik. Nicht umsonst haben wir uns da drei großartige Stimmen dazu geholt.

- Silber im Stein

holly d.: Großes Kino, unsere erste 6 Minuten Nummer. Wir hätten den auch noch länger machen können.......Der Song macht das Album endgültig rund. In den Text steckt für mich unheimlich viel Weisheit. Das Wissen um Vergänglichkeit: Der Moment ist unsere Realität, aber eben nur ein Moment, nichts ewiges. Das Glück resultiert daraus, genau diesen Moment zu schätzen, aber ihn eben auch wieder loslassen zu können.

Bei dem Track „Das Stimmlein“ habt Ihr gesangliche Unterstützung von Eric Fish, Sven Friedrich und Thomas Lindner bekommen. Ihre Zeichens Sänger von mittlerweile sehr beliebten Bands. Wie ist es zu dieser Kooperation gekommen?

holly d.: Zuerst war da der Song, den hat Herr Stolz unser Geiger geschrieben. Dann kam der Text, da geht es um Individualität, Respekt voreinander und das Bewusstsein, dass man nur in der Gruppe etwas bewegen kann. Der Text hat also viel mit uns als Band zu tun, aber auch mit der Szene als solche. Als der Song fertig war, haben wir uns überlegt, dass er glaubwürdiger mit ein paar Kollegen rüber kommt. Wir haben Thomas, Eric und Friedel gefragt und alle Drei haben sofort zugesagt. Uns war es sehr wichtig Künstler dabei zu haben, vor denen wir auch Respekt und Achtung haben. Es ging nicht vordergründig um Promotion sondern um ein Statement innerhalb der Szene.

Ist in diesem Zusammenhang von eurer Seite auch mal ein Konzert oder eine Tour mit, Subway to Sally, Schandmaul und Zeraphine geplant?

holly d.: Nicht konkret, aber es wird eine weitere Zusammenarbeit geben. Es wäre schon toll, den Song „Das Stimmlein“ mal mit allen zusammen auf einer Bühne zu bringen.

Die eben genannten Bands kommen aus unterschiedlichen Richtungen und eure Musik kann im positiven Sinne als Crossover bezeichnet werden. Gibt es für euch Unterschiede ob Ihr vor Metal-Puplikum, Grufties oder Electroheads spielt?

holly d.: Also, am liebsten spielen wir vor Leuten, die uns mögen. Welcher Szene die sich zugehörige fühlen ist uns egal. Die Leute sollen sich bei uns wohl fühlen, sich im Konzert fallen lassen können und hinterher ein Stück freier wieder in ihren Alltag gehen können. Die einzigen, die bei uns draußen bleiben müssen sind Rassisten und Neonazis. Da hört unser Sinn für Toleranz und Freiheit schlagartig auf. S schlagartig auf.
unser Sinn für Toleranz und Freiheit schlagartig auf.

Welche Rolle spielt denn ganz grundsätzlich euer persönlicher musikalischer Geschmack und wo liegen eure Vorlieben? Mehr Folk, mehr Rock oder mal ne andere Richtung?

holly d.: Eher eine indirekte. Unser bandinternen Musikgeschmack geht sehr weit auseinander (siehe die Steckbriefe der Musiker auf unserer Homepage). Die Musik, die wir als Letzte Instanz machen entsteht aus der Dynamik unserer gemeinsamen Arbeit. In anderen Konstellationen würden wir ganz andere Musik machen. Nur weil ich z.B. auf Phillip Glass stehe, müssen wir ja bei der Instanz nicht gleich Minimal Music machen, wobei, interessant wäre es schon.............

Wie sehen die weiteren Planungen mit Letzte Instanz für die Zukunft aus?

holly d.: Als Band wieder voll und ganz auf den Bühnen und in den CD-Player der Nation anzukommen. Kontinuität ist bei uns jetzt ganz wichtig. Wir wollen uns die neu gewonnene Freude am Musikmachen erhalten.

Was wünscht Ihr euch für die Band und für euch im speziellen für die Zukunft?

holly d.: Entspannt und unabhängig Musik zu machen. Dazu gehört natürlich auch ein gewisser kommerzieller Erfolg. Und ich wünsche mir, das wir uns als Musiker und als Menschen den Respekt vor einander bewahren können. Privat wünsche ich mir, das die Letzte Instanz mein eigenes Leben nicht auffrisst und das ich bei allem was passiert immer wieder Zeit finde, zu mir zurück zu kehren.

Gibt es ein Lebensmotto dass Ihr euren Fans mit auf den Weg geben wollt?

holly d.: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Esst kein Fleisch und empfehlt Letzte Instanz !!!



Zur CD Review von "Ins Licht"

www.letzte-instanz.de

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