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Greg Passmore - Extreme Photography




Du bezeichnest Deine Weke als "Extreme Fotografie". Wie bist Du auf diese Art von Fotografie gestossen?

Es klingt wahrscheinlich seltsam aber es war duch die katholische Kirche. Ich bin in eine katholische Klosterschule gegangen und als ich in der ersten Klasse war, waren die Waende im Klassenzimmer mit Illustrationen von Gustave Dore behaengt. Ueberall um mich herum duestere Szenen von Maertyrern, Zerstoerung und Tod- dazu die alten, dunklen und irgendwie unheimlichen Gemaeuer der Schule mit den Nonnen die uns mit Linealen auf die Finger geklopft haben...

Woher nimmst Du Deine kreativen Ideen für die einzelnen Shootings?

Es gibt hauptsaechlich zwei grosse Erfahrungen in meinem Leben, die mir viel Treibstoff fuer meine Arbeit geben. Ich hatte einen guten Freund der an einem Institut in Texas Psychiater war. Er hat mit geistesgestoerten Menschen gearbeitet, hauptsaechlich mit Kindern die ihre Eltern umgebracht haben. Ich durfte (ueber sieben Jahre hinweg) oft anwesend sein wenn er mit seinen Patienten sprach und diese Begegnungen haben mich sehr beeinflusst. Ausserdem hatte ich eine Frau, die an Geisteskrankheit litt und haeufig halluzinierte. Irgendetwas ging immer vor sich...Ich kann mich erinnern einmal von einer Geschaeftsreise aus New York zurueck zu kommen und sie fragt mich: "do you wanna see my people?". Natuerlich habe ich nicht verstanden was sie damit meint. Sie fuehrt mich also in den (begehbaren) Kleiderschrank wo alle Klamotten kreuz und quer auf dem Boden verstreut sind und ueberall waren kleine Menschen. Sie hatte aus Zahnstochern kleine Figuerchen gebastelt und aus Magazinen Augen ausgeschnitten und den Figuren aufgeklebt. Hunderte davon! Es war alles sehr seltsam und wie gesagt: irgend sowas war immer los.

Wie wichtig ist Dir die Chemie zwischen Dir und Deinen Modellen?

Fuer mich hat es weniger mit Chemie zu tun als mit Vertrauen. Wenn die Models meine Arbeit nicht kennen und meine Werke noch nie gesehen haben werden sie sehr schockiert reagieren. Ich bevorzuge es mit Models zu arbeiten denen bewusst ist, dass ich sie nicht als huebsch oder anziehend darstellen werde. Es ist wichtig ein gemeinsames Ziel zu haben (naemlich extreme, aussergewoehnliche Bilder zu kreieren) und dafuer ist Vertrauen wichtig.

Deiner Bio ist zu entnehmen, das Du am Set u.a. mit Laser-Scanner arbeitest. Inwieweit beinflusst diese Technik Deine Werke? Kannst Du Dir vorstellen, ein Shooting auch mal komplett ohne Computertechnik durchzuführen?

Technologie und Kunst sind die zwei Seiten einer Muenze; fuer mich gehen sie Hand in Hand. Technologie erlaubt uns das Image noch mehr zu verstaerken, zu intensivieren. Dabei halte ich mich an den Spruch "the best special effects are the ones you can’t tell". Ich verwende gerne ungewoehnliche Methoden die ueber Photshop hinausgehen wie z.B. den Laser Scanner. Damit koennen wir nicht nur das Image verstaerken sondern auch kosteneffizient arbeiten. Der Scanner ermoeglicht uns, die Belichtung zu modifizieren lange nachdem das Model weg und das Set abgebaut ist. Computertechnik ist fuer mich auch aus wirtschaftlicher Sicht wichtig: es haelt die Kosten niedrig.

Wie fotografierst Du am liebsten? Digital oder analog? Was hälst Du für die bessere Technik?

Digital und analog zu vergleichen ist als vergleiche man CDs mit Platten. CDs haben diesen gewissen ‘warmen Ton’ nicht, hiess es immer. Aehnlich ist es in der Photographie. Analog ist sehr viel einfacher da es Fehler leichter vergibt: bei analog kann man Bilder unter- oder ueberbelichten und es wird trotzdem noch gut aussehen. Digital ist anspruchsvoller da es mehr Kontrolle voraussetzt und einem nicht so leicht vergibt; man muss viel praeziser arbeiten und das ist schwieriger. Ich bevorzuge digital weil mein Hintergrund Mathematik und Physik ist.

Deine Werke dürften in der europäischen schwarzen Szene / Fetish Szene viele Anhänger finden. Welchen Bezug hast Du bisher zu diesen Szenen?

Ich bezeichne mich als "willing participant". Ich wuerde sagen ich bin ziemlich aktiv in der Szene (in USA, bisher leider noch nicht in Europa) aber ich verkleide mich nicht als Vampir oder so...

Lässt Du musikalische Einflüsse bei Deinen Shootings zu, damit eine besondere Stimmung aufkommt und wenn ja, was für Musik ist das?

Musik ist bei einem Shoot einer der Haupteinfluesse und wir hoeren immer Musik um eine gewisse Stimmung zu erzeugen. z.B. Marilyn Manson, Bauhaus, Kraftwerk, Rammstein...
Was für Musik hörst Du persönlich am liebsten?

Heavy Industrial und Speed Metal (wie z.B. Slayer)

Zurück zur Fotografie: Welchen Stellenwert hat die fotografische Arbeit für Dich in Deinem Leben?

Ich habe den groessten Teil meines Lebens damit verbracht an mathematischen und physikalischen Fragen zu arbeiten, hin und wieder vermischt mit Computergaphik. Im Gegensatz dazu setzt die Photografie Zusammenarbeit mit anderen Menschen voraus. "Einen guten Magier erkennt man an der Arbeit mit Tieren." Warum? Weil Tiere - so wie Menschen - unberechenbar sind. Diese Unberechenbarkeit ist es was das Photografieren so interessant fuer mich macht. Ausserdem ist durch diese Arbeit etwas passiert: ich habe unglaublich interessante Menschen kennengelernt und Freunde gewonnen die ich wahrscheinlich anders nicht gefunden haette.

Wie sieht einer Deiner typischen Arbeitstage aus, bzw. wie bereitest Du ein Shooting vor?

Den Vormittag verbringe ich mit Meetings und Vorbereitungen auf den Shoot und am spaeten Nachmittag ist dann das eigentliche Shooting. Wir bauen all unsere Sets selbst und zum Teil bauen wir sogar Ausruestung zum Photografieren (wie Lampen und Software) wenn wir denken, dass das wir haben nicht gut genug ist. Sobald dann das Model da ist wird fuer gewoehnlich vier bis sechs Stunden (manchmal laenger) an Makeup und Haaren gearbeitet. Oft dauert das also den ganzen Nachmittag und wir kommen erst am Abend zum eigentlichen Shoot. Dieser dauert meist so um die drei Stunden.

Was hast Du ausser der Fotografie noch für Vorlieben?

Ich gehe gerne in Hoehlen. Hoehlen sind wie eine leere Leinwand weil es absolut kein Licht gibt. Ich gehe also mit ein paar ‘flashunits’ rein und male die Hoehle mit Licht aus.

Wie sehen Deine aktuellen Pläne aus? An was arbeitest Du gerade?

Ich bin kurz davor ein Buch mit dem Titel "Extreme Culture" zu veroeffentlichen. (Auf der Webseite www.extremeculture.com gibt es eine kleine Vorschau.) Ausserdem arbeite ich gerade an einem naechsten Buch und es wird Horror sein!

Fotos von Greg Passmore in unserem Magazin findet Ihr hier.

Fotografen gibt es ja gerade in der schwarzen Szene/Fetisch Szene schon zu genüge, die meisten eher mit nur sehr durchschnittlichen Werken. Richtig überrachen konnte uns jedoch Greg Passmore. Lest mehr über Ihn in unserem Interview:

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